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«Rappenspalterei» im Oberbaselbiet – einem Falschmünzer auf der Spur

Quelle: Archäologie Baselland (2020): Medienmitteilung

Bei Aushubarbeiten in Läufelfingen kamen Ende 2019 zwei Handvoll Münzen aus den 1850er Jahren zum Vorschein. Das Besondere daran: Alle waren zerschnitten. Eine Metallanalyse zeigte nun, dass es sich um Fälschungen handelt, die durch staatliche ‹Rappenspalterei› aus dem Verkehr gezogen werden sollten.

Einige der zerschnittenen 10- und 20-Rappenstücke im Fundzustand. Photo credits: © 2020 Archäologie Baselland.
Einige der zerschnittenen 10- und 20-Rappenstücke im Fundzustand. Photo credits: © 2020 Archäologie Baselland.

Der Aufmerksamkeit und der Neugier des Poliers A. Trösch ist ein spannender Neufund aus Läufelfingen zu verdanken: Ihm fielen während der Aushubarbeiten in der Flur Hüslimatt plötzlich Münzen in der Baggerschaufel auf. Gut zwei Handvoll klaubte er aus dem Erdreich. Die Anwohner Daniel Mohler und Ulrich Kohler-Mohler, die auf den Fund aufmerksam gemacht wurden, meldeten ihn korrekt der Archäologie Baselland. Rund 170 Schweizer 20-Rappenstücke und zwei 10-Rappenstücke der 1850er Jahre sind erhalten geblieben.

Das Besondere dabei: alle Münzen waren zerschnitten. Merkwürdig ist auch, dass es sich um zwei unterschiedliche Arten von Münzen handelt: Einige Stücke sind gegossen, während der Grossteil der Münzen geprägt ist. Was hat das zu bedeuten? Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, wurden am Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern 48 ausgewählte Stücke auf ihre Metallzusammensetzung analysiert. ‹Echte› Schweizer 20- und 10- Rappenstücke der 1850er Jahre bestehen aus Billon, enthalten also noch etwas Silber. Ganz anders die Läufelfinger Funde: keine Spur vom Edelmetall. Die Münzen bestehen aus billigeren Legierungen von Kupfer und Zinn respektive Kuper, Zinn und Nickel, so genanntes ‹Neusilber›. Es sind demnach alles Fälschungen!

Caroline Heitz und Markus Peter bei der Metallanalyse am pXRF-Analysegerät im Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern. Photo credits: © 2020 Rahel C. Ackermann (IFS).
Caroline Heitz und Markus Peter bei der Metallanalyse am pXRF-Analysegerät im Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern. Photo credits: © 2020 Rahel C. Ackermann (IFS).

Doch hat es sich überhaupt gelohnt, solche ‹Zwanzgerli› und ‹Zehnerli› zu fälschen? Ja! Um 1860 verdiente ein Textilarbeiter 17 Rappen pro Stunde, eine Textilarbeiterin sogar nur 10. In der Metall- und Maschinenindustrie gab es 25 Rappen die Stunde. Ein Kilogramm Weissbrot kostete 40, ein Liter Milch 12 Rappen, für 500 Gramm Butter waren 90 Rappen fällig und für 1 Pfund Ochsenfleisch ein halber Franken. Für ein Paar einfache Schuhe musste man Fr. 5.50 bezahlen. Der Wert von rund 34 Franken, den die erhaltenen zerschnittenen Fälschungen darstellen, war also eine beachtliche Summe!

Die geprägten Fälschungen sind von hoher Qualität: Es wurden nur Jahrgänge hergestellt, die es auch offiziell gab – Stempelschnitt und Prägung sind ausgezeichnet. Irgendjemand hat sie dennoch entlarvt und gemäss den Vorgaben des Bundes gehandelt: Entdeckte oder vermutete Fälschungen waren durch amtlichen Zahlstellen, darunter Gemeindeverwaltungen, Poststellen und Verkehrsbetriebe, zurückzuhalten und zu zerschneiden. Doch: Wer hat die Münzen eingezogen und entwertet? Wurden sie einem unglücklichen Bauern oder Gastwirt abgenommen, der übers Ohr gehauen wurde, oder der Person, die sie unauffällig in Umlauf setzen wollte? Recherchen, ob in den Archiven ein Falschmünzer-Fall belegt ist, sind angelaufen.

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Römischer Münzhort bei Pratteln entdeckt

Quelle: Archäologie Baselland (2019): Medienmitteilung

In einem Waldstück am Abhang des Adlerberges bei Pratteln hat der ehrenamtliche Mitarbeiter Sacha Schneider im Sommer 2019 einen römischen Schatz mit 293 Silbermünzen entdeckt. Eine erste Sichtung zeigt, dass der Besitzer seine Barschaft – wohl aus Angst vor einem Diebstahl – kurz nach 180 n. Chr. vergraben hat.

Nachuntersuchungen bei der Fundstelle. Photo credits: © 2019 Archäologie Baselland.
Nachuntersuchungen bei der Fundstelle. Photo credits: © 2019 Archäologie Baselland.

Die Silbermünzen lagen auf engem Raum beisammen, was den Schluss zulässt, dass sie gemeinsam in einer einmaligen Aktion vergraben wurden. Es handelt sich ausschliesslich um Denare, die insgesamt in einem sehr guten Zustand sind – teilweise noch prägefrisch. Höchstwahrscheinlich hat ihr Besitzer sie bewusst wegen ihres Wertes dem Geldumlauf entnommen. Die älteste Münze wurde unter Kaiser Nero (Regierungszeit 54–68 n. Chr.) geprägt, die meisten im 2. Jahrhundert. Die jüngsten Stücke stammen aus der Zeit von Kaiser Commodus und wurden 181/182 n. Chr. in Rom geprägt. Da spätere Münzen, die durchaus in ein solches Ensemble passen würden, fehlen, kann man davon ausgehen, dass der Hort kurz danach vergraben wurde. Der Wert der Münzen war nicht unbeträchtlich und entsprach ungefähr dem halben Jahreslohn eines Legionärs. Der Fund gehört zu den grössten römischen Silberhorten der Schweiz; in der näheren Umgebung wird er nur vom rund 170 Jahre jüngeren Kaiseraugster Silberschatz übertroffen.

Gesamtansicht des Münzhorts von Pratteln. Photo credits: © 2019 Archäologie Baselland.
Gesamtansicht des Münzhorts von Pratteln. Photo credits: © 2019 Archäologie Baselland.

Der Münzhort wurde vom ehrenamtlichen Mitarbeiter Sacha Schneider bei einer Sondierung der Abhänge des Adlerberges entdeckt. Aus heutiger Sicht ist der Fundort in einem gewöhnlichen Waldgebiet unspektakulär: Es gibt keine Auffälligkeiten, an denen man sich orientieren könnte. In römischer Zeit muss hier aber etwas Besonderes gewesen sein: ein grosser Baum, ein auffälliger Stein oder dergleichen. Der Besitzer hat die Münzen ohne Zweifel an einem Ort vergraben, den er sich gut merken konnte. Vermutlich wollte er seine Barschaft in einem sicheren Versteck aufbewahren; da Banken im heutigen Sinn in römischer Zeit noch nicht bekannt waren, war dies nicht ungewöhnlich.

Warum das kleine Vermögen nie mehr geborgen wurde, darüber schweigt die Geschichte. Die Jahre um 182 n. Chr. waren jedenfalls keine «Krisenzeit»: Die Region erlebte eine ruhige Ära unter der pax romana, die erst 15 Jahre später durch heftige Auseinandersetzungen zweier Thronanwärter ein Ende fand. Wo der Eigentümer gelebt hat, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. In Pratteln sind zwei römische Gutshöfe bekannt: einer in der Flur Kästeli und der andere beim heutigen Dorfkern. Von letzterem aus hätte der Verberger sein Versteck stets im Blick gehabt.

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